Leseprobe

Dr. Jusuf betritt den Raum, während die Sanitäter bereits die Trage ins Zimmer schieben. Die Patientin, Jenny, liegt blass und reglos da, ihr Atem flach, die Hände kalt. Sein Blick fährt sofort über die Monitore, prüft Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung. Alles spricht gegen das Leben. 

„CPR! Schnell, Beatmung!“ ruft er, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. Die Hände der Sanitäter gehorchen, pumpen den Brustkorb, setzen die Beatmungs maske an. Jusuf bewegt sich zwischen Trage, Monitor und Notfallwagen wie ein Dirigent eines schlecht geprobten Orchesters. 

Er legt seine Hände auf Jennys Brust, die Bewegungen präzise, geübt, das Drücken rhythmisch. Sekunden dehnen sich zu Minuten, der Raum füllt sich mit dem Piepen der Geräte, dem Rattern der Sauerstoffflasche, den kurzen Anweisungen der Helfer. 

Eine der Krankenschwestern lehnt sich an die Tür, die Arme verschränkt, ihr Blick, skeptisch, ruhig, fast herausfordernd. Sie beobachtet jeden Handgriff, jede Entscheidung, ohne einzugreifen. Jusuf spürt die stille Beobachtung, registriert sie, aber lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. 

„Medikamentengabe, Adrenalin!“, ruft er. Ein Sanitäter reicht ihm die Spritze. Jusuf zieht sie auf, injiziert, prüft die Wirkung. Sein Blick wechselt zwischen der Patientin und dem Monitor. Der Herzschlag bleibt schwach, flach, dann fällt er wieder ab. Er presst die Lippen zusammen, zieht kurz die Stirn in Falten. Ein schneller Blick zur Uhr, die Sekunden zählen, jede wie ein Urteil. Die rhythmischen Pumpbewegungen hören nicht auf. Sein Atem ist flach, konzentriert. Kein Wort des Zweifels, nur die Sachlichkeit eines Mannes, der schon zu viele solcher Momente erlebt hat. Die Krankenschwester schiebt sich leicht vor, ihre Stirn in feine Falten gelegt. Sie macht keine Gesten, spricht kein Wort, doch der Blick, den sie wirft, sagt mehr als jede Kritik: Sie registriert alles, bewertet jede Entscheidung. Sie weiß, wie schnell die Kontrolle über ein Menschenleben aus den Händen gleiten kann. „Keine Reaktion!“, sagt einer der Sanitäter. „Keine Herzaktionen!“ Jusuf nickt, nimmt die Maske ab, überprüft die Pupillen. Sein Blick bleibt sachlich, professionell, doch innerlich spürt er die Wucht der Realität. Die Patientin ist verschwunden und alle Zeichen sprechen dafür, dass es zu spät ist. 

Er atmet tief durch und lässt die Hände sinken. Die Stille nach dem Chaos ist greifbar. Die Krankenschwester tritt einen Schritt vor, nickt leicht, als wollte sie bestätigen: alles wurde getan, nichts blieb unversucht. Ihre Augen ruhen kurz auf ihm, dann wendet sie sich ab, lässt ihn allein mit der leeren Monitoreinstellung, die ihm sagt, dass Jenny nicht mehr zurück kommt. 

Dr. Jusuf verlässt den Raum einen Moment später, die Hände noch vom Adrenalin leicht zittrig, die Gedanken bereits beim nächsten Fall, bei der nächsten Patientin, beim nächsten Versuch, Leben zu retten, das entgleitet. Die Routine, die sich immer wieder wiederholt. 

Die Praxistür fiel mit einem leisen Klicken ins Schloss und sperrte den Geruch von Desinfektionsmittel und den Nachhall des Todes hinter Dr. Jusuf ein. Er stand einen Moment auf dem Bürgersteig, die Schultern schwer unter der Last des langen Tages. Die Straßen laternen warfen lange, zitternde Schatten, die wie Gespenster über den Asphalt huschten. Es belastet mich immer wieder, wenn ich einen Patienten verliere. Der Gedanke kam nicht als klare Stimme, sondern als dumpfes Gewicht in seiner Brust - Jenny.

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